8 Fragen zur Neuerscheinung:

FUSSBALLPROFI: Fußball, Champions und Europa

 

1) 

Aus „Fußball und sonst gar nichts!“, dem ersten Buch mit Niklas, ist eine Doppeltrilogie geworden:

Sie beschreiben dort als Autorenduo Niklas’ Weg vom zehnjährigen Ersatzspieler zum siebzehnjährigen Fußballprofi. So lautet dann auch der Reihen-Titel der zweiten Niklas-Trilogie: Fußballprofi. 

Nun ist ein Sonderband erschienen: „Fußballprofi: Fußball, Champions und Europa.“

Wie kam es dazu?

 

> Schlüter:

Das Buch ist ein Mix aus Fußball- und Reisetagebuch. In diesem „Fußballprofi“-Sonderband schicken wir unseren Protagonisten Niklas im Rahmen einer U14-EM an die zwölf Spielorte der nächsten Fußball-EM. Auf seiner großen

Europa-Tournee lernt Niklas München, Glasgow, Dublin, London, Kopenhagen, Amsterdam, Bukarest, Budapest,

St. Petersburg, Bilbao, Rom und Baku und natürlich auch die jeweiligen U 14-Nationalmannschaften kennen. Er trifft seinen  Freund Marco aus Italien wieder, aber leider auch seinen Erzrivalen Freddy.  

Zwar konnten wir auch aus zeitlichen Gründen leider nicht in alle, aber doch einige Städte reisen. Unsere erste Station war Rom. Dies war für uns auch die ertragsreichste Stadt. Denn Irene war es im Vorfeld gelungen, einen Besuchstermin und Gesprächspartner in der Fußballschule des AS Rom zu gewinnen. Das war ein faszinierender Besuch auf einer sehr großen Sportanlage.

Erstaunlich war für uns, auch einen Verantwortlichen für „Ordnung, Disziplin und gutes Benehmen“ vorgestellt zu bekommen. „Wer sich im Leben außerhalb des Fußballs und in der Schule nicht benehmen kann, hat bei uns nichts zu suchen“, lautete die Begründung. Angesichts einer ganzen Schule voller halbwüchsiger, pubertierender, männlicher Jugendlicher, denen Sport (Fußball) über alles geht, vermutlich ein Fulltimejob. Wir vermuten, bei uns hieße dieser Job einfach nur „Sozialarbeiter“ ;-)

Nach diesem sehr informativen Tag in beiden Trainingszentren haben wir uns in den folgenden Tagen noch durch die Stadt treiben lassen, um die Atmosphäre dieser ältesten Stadt Europas in uns aufzusaugen.

 

> Margil:

Erst vor Ort erfuhren wir, dass der AS Rom auch der Vorreiter- und Vorzeigeverein in Sachen Förderung von Mädchen- und Frauenprofifußball in Italien ist. Die haben ein anderes, eigenes Trainingszentrum, mit einem fantastischen Ausblick vom Fußballrasen direkt auf den Vatikan. Näher kann man dem Fußballgott nicht sein ;-)

Oft werden wir darauf angesprochen, wieso in unseren Fußballreihen eigentlich keine Mädchen mitspielen. Die Antwort ist einfach: Weil wir das Getrenntspielen für sinnvoller halten. Deshalb habe ich mit den „Fußball-ELFen“ auch eine kleine Mädchenfußballreihe geschrieben (früher bei Carlsen, jetzt im Graphiti-Verlag).

Dennoch haben wir die Frage auch dem Experten gestellt. Seine Antwort war verblüffend klar und offen: „Man muss endlich aufhören, Frauenfußball mit Männerfußball zu vergleichen. Damit tut man den Spielerinnen überhaupt keinen Gefallen. Frauenfußball ist eine eigene Sportart. So muss man es bewerten, angehen und fördern.“ Genau unsere Meinung. Es war schön, es so bestätigt zu bekommen.

                         

2)

Ihr Buch ist also auch interessant, obwohl die Fußball-EM verschoben wurde?

Auf jeden Fall! Wie schon erwähnt: Niklas führt uns auf ganz besondere Weise  auf 340 Seiten durch Europa.

 

3) 

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

> Schlüter:

Ich habe mein erstes Buch 1994 im Altberliner Verlag veröffentlicht: „Level 4 – Die Stadt der Kinder“. Es wurde auf Anhieb in diesem Verlag ein großer Erfolg. Zu einem echten Longseller und eigentlich schon Klassiker wurde es aber später bis heute als Taschenbuch bei dtvjunior. Es zählt vielerorts mittlerweile zur Standardschullektüre der sechsten Klassen und ist bis heute grob geschätzt etwa 1,7 Millionen Mal verkauft worden. Seitdem schreibe ich für verschiedene Publikumsverlage und schätze, dass es inzwischen deutlich über 100 Bücher sind.

 

> Margil:

Ich habe mein erstes Buch im Jahre 2008 veröffentlicht: „Fußball und sonst gar nichts“, erschienen im Carlsen Verlag. Das Buch ist mittlerweile etwas über 100.000 mal verkauft. Da es 2008 noch schwerer war als 1994, als Neuling einen Verlag zu finden, haben Andreas und ich das Buch zusammen geschrieben, genauer: wir haben gemeinsam geplottet, ich habe die Geschichte geschrieben und Andreas hat ein erstes „Vorlektorat“ vorgenommen. Seitdem sind über 40 Bücher in unterschiedlichen Publikumsverlagen erschienen.

 

> Schlüter:

Ach so. Zu uns nochmal, weil es dann ja doch den einen oder anderen interessiert; die „Yellow press“ der Kinderbuchszene sozusagen: Seit fast 31 Jahren sind wir zusammen. Am „Silberliebe“-Tag, also nach 25 Jahren, haben wir geheiratet. Wir sind also fast seit sechs Jahren verheiratet und vor fünf Jahren haben wir dann den ganz großen Schritt gewagt und – sind zusammengezogen.

 

4)  Wie schreibt man eigentlich zu zweit ein Buch?"

> Schlüter:

Eine Frage, die uns natürlich oft gestellt wird.

Das ist eigentlich ganz einfach. Schwer ist es nur, jemanden zu finden, mit dem es geht. Denn die wichtigste Voraussetzung, um ein Buch gemeinsam schreiben zu können, ist, dass die Chemie und das Vertrauen zwischen beiden stimmt.

Das ist bei Irene und mir natürlich erstmal grundsätzlich gegeben, sonst wären wir nicht schon so lange zusammen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man auch zusammen arbeiten kann. Im Gegenteil: Bis ca. 2007 hatten wir den festen Vorsatz, niemals gemeinsam etwas zu arbeiten. Aber das Leben ist immer konkret. Es hat sich anders entwickelt. Irene schrieb ihr erstes Buch 2008 und ich half ihr dabei.

Vertrauen in der Arbeit ist deshalb so entscheidend, weil ein Buch natürlich eine einheitliche Sprache braucht. Kinder fragen manchmal, ob wir immer abwechselnd schreiben würden: Du einen Satz, ich einen Satz, du einen Satz …

Diese Vorstellung ist niedlich und lustig. Und nicht einmal ganz falsch. Natürlich schreiben wir nicht die Sätze abwechselnd. Durchaus aber Kapitel. In unserem neuen Buch „Fußballprofi: Fußball, Champions und Europa“ war das zum Glück sehr leicht aufzuteilen. „Schreibst du Budapest, schreibe ich Rom; schreibst du Kopenhagen, schreibe ich Bilbao“ usw. Hinterher wurden die Kapitel dann ausgetauscht, gegenseitig überarbeitet und zusammengefügt. Aber – wie gesagt – es braucht eine einheitliche Sprache. Am Schluss darf das eine Kapitel nicht in einem anderen Sprachduktus geschrieben sein als das nächste. Außer es gehört zum Konzept, z.B. wg. unterschiedlicher Perspektiven. Also muss einer das ganze Buch in seinem Sprachduktus überarbeiten und der andere muss loslassen können. Wer dann an jedem Verb, jedem Nebensatz, jeder Metapher klebt, weil alles so gut gelungen sei, ist beim gemeinsamen Schreiben zum Scheitern verurteilt.

 

> Margil:

Bei anderen Projekten haben wir gleich ganze Bücher abwechselnd geschrieben. Die „Fünf Asse“- Sportkrimis: „Schreibst du den Basketballkrimi, mach ich den Tischtennis-Krimi“. „Fußball-Haie“: „Schreibst du Band 3, schreibe ich schon mal Band 4.“ Abends entspannt beim "Sundowner", zum eigentlichen Feierabend, ergeben sich manchmal die besten Ideen und Plots für gemeinsame Bücher. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sind bei uns immer fließend.

 

5) Und warum schreiben Sie so viele Fußballbücher?

> Margil:

Zum einen haben wir auch 14 Sportkrimis geschrieben, die jeweils in verschiedenen Sportwelten spielen, von der Leichtathletik über Klettern bis zum Eishockey. Mithilfe  des Settings einer Mannschaft, egal welcher Sportart, können wir Vieles erzählen, das weit über die Beschreibung eines Wettkampfs hinaus geht. Ich denke da nicht an den Gewinn des 150. Pokals. Nein, im Fokus unserer Fußballbücher steht alles, was den Protagonisten auf und um den Platz herum widerfahren kann. Wie können sie mit Ungerechtigkeiten umgehen? Wie können sie sich behaupten?  Wie entscheidend ist Zusammenhalt und Teamgeist in der Fußballwelt und im ganzen Leben? Was bedeutet der Berufswunsch Fußballprofi?

Die Fußballprofi-Reihe zum Beispiel beschreibt erstmals in der Kinderliteratur auch die Schattenseiten vom Traumberuf „Fußballprofi“ und thematisiert Probleme, die mit diesem Berufswunsch und der wachsenden Fokussierung auf den Sport  einhergehen: Verlust der sozialen Kontakte, Umgang mit Verletzungspausen, Trainingsrückstand, unfairem Wettbewerb, wachsender Prominenz...

 

6) Woher haben Sie eigentlich Ihre Ideen?

> Schlüter:

Das ist eine oft gestellte nicht nur Kinder-Frage.

Hier muss man unterscheiden: a) Ideen für Themen und b) Ideen, wie es innerhalb der Geschichte konkret weitergeht.

Ideen für Themen kommen durch Beobachtung, Reisen, Zeitungen und Magazine lesen, sich auf dem Buchmarkt umschauen.

Bei diesem Buch „Fußballprofi: Fußball, Champions und Europa“ zum Beispiel waren der Verlag und wir uns schnell einig, dass die Idee der UEFA, die EM in zwölf verschiedenen Ländern Europas stattfinden zu lassen, ein toller Anlass ist, mit Hilfe des populären Themas „Fußball“ den Kindern Europa näher vorzustellen.

Und wie die Geschichte konkret verläuft?

Das geschieht beim Schreiben.

Ich antworte den Kindern meist: "Ich schreibe eigentlich nur, weil ich selbst wissen will, wie's weitergeht."

Das glauben sie nicht bis ich meine Gegenfrage stelle:

"Ihr müsst in der Schule einen Aufsatz zu einem Thema schreiben."

Kennt jeder.

"Wer von euch hat schon mal ein leeres Blatt abgegeben, weil ihm nichts eingefallen ist?"

Niemand.

"Seht ihr? Euch fällt etwas ein, weil euch etwas einfallen muss. Ihr müsst einen Aufsatz abgeben. So ist es auch beim Autor. Man muss einfach sitzen bleiben und schreiben wollen. Dann fällt einem auch etwas ein."

 

> Margil

Manchmal hilft dann die Recherche, weil man beim Recherchieren oft auf Dinge stößt, die einem wieder den Stoff für weitere Absätze oder Kapitel liefern.

 

7)

Welche Konsequenzen haben für Sie die Absagen der Internationalen Buchmesse Bologna und der Buchmesse Leipzig?

> Margil:

Die Buchmessen sind für uns extrem praktisch. Man kann an einem Tag Gespräche mit Verlagen aus den entferntesten Regionen führen. Halbstündlich einfach nur einen Stand weiter gehen. Das fällt nun in diesem Frühjahr gleich drei Mal flach: Bologna, Leipzig und die didacta in Stuttgart.  Also suchen wir nun nach Alterativen. Mit Carlsen haben wir Glück, denn der Verlag hat seinen Sitz in unserer Stadt. Reisen durch Deutschland wollen wir aktuell weitestgehend vermeiden, darum haben wir mit anderen Verlagen neue Termine vereinbart, nun allerdings als Telefonkonferenz und Treffen per Skype.

Besonders einschneidend aber sind die unzählige Absagen der Lesefeste und Schullesungen, deren Honorare für uns und die Kolleginnen und Kollegen die einzigen fest kalkulierbaren Einnahmen sind. Vorausgesetzt: Sie finden statt.

 

8) Es herrschen nach wie vor romantische Vorstellungen zum Leben eines Autors oder einer Autorin. Mögen Sie uns einen Einblick in ihren Alltag geben?

> Schlüter:

Stimmt. Die romantische Vorstellung vieler: Irgendwann gegen Mittag aufstehen, 1-2 Buchseiten schreiben, dann so spätestens ab 14 oder 15 Uhr Freizeit, und dafür jede Menge Geld verdienen. So ähnlich hat das tatsächlich mal ein Lehrer seinen Schülern in Vorbereitung einer meiner Lesungen erzählt. Wahrscheinlich hatte dieser Deutschlehrer aber einfach nur zuviel „two and a half men“ geguckt.

In Realität hier meine aktuelle ToDo-Liste:

8:00 Uhr Erster Kaffee, Lektüre von online-Zeitungen und social-media-Beiträgen,

kurzes Frühstück

9:00 am Schreibtisch: Heute allerdings zu einer Lesung fahren.

Zwei Lesungen für eine Lesung aus dem neuen Buch vorbereiten (Auszüge heraussuchen, Keynote-Präsentation erstellen), wenn sie denn stattfinden. Aber vorbereiten muss ich es ja dennoch.

Weiterarbeiten an zwei Exposés für zwei neue Kinderbuchreihen.

Emails lesen und beantworten.

Bei zwei Verlagen mal nachforschen, ob die meine Angebote schon gelesen und entschieden haben.

Bei einem anderen Verlag nachhaken, wann der versprochene Vertrag kommt.

Für einen anderen Vertrag desselben Verlags noch Konditionen aushandeln.

Einige Bahnfahrten für bevorstehende Lesereisen buchen oder von abgesagten stornieren, ebenso Hotels.

Sich darum kümmern, ob eine geplante, aber abgesagte Reise kostenfrei storniert werden kann. Klären, ob der Veranstalter ein Ausfallhonorar zahlt (in der Regel bei diesen Corona-Absagen nicht)

Demnächst müssen wir klären, ob unser Hamburger VorleseVergnügen im Juni, das ich mit einigen Kollegen und Kolleginnen zusammen organisiere, stattfinden kann.  Wenn nicht, was dann? Verschieben? Absagen? Können die eingeladenen Autoren zu einem anderen Termin? Noch hoffen wir, dass alles stattfindet, aber die Hoffnung schwindet täglich ein Stück mehr. (Stand Mitte März)

Zwischendurch kommen lektorierte Manuskripte herein, die ich durchsehen muss.

Für ein Filmprojekt wird gerade ein Regisseur gesucht. Mal nachfragen, wie da der Stand ist. Seit Monaten liegen zwei Ideen für neue Drehbuchprojekte auf dem Tisch. Ich komme nicht dazu, sie vernünftig auszuarbeiten und anzubieten.

Ich möchte einige vergriffene Bücher wieder neu herausbringen. Da komme ich aber seit Monaten nicht dazu, das zu organisieren.

Irene hat schon angefangen, unser neues Fußballbuch zu schreiben. Da muss ich bald mit einsteigen.

Täglich schreibe ich am aktuellen Manuskript weiter. Ich hoffe, ich schaffe mein Tagespensum: 3-4 Manuskript-Seiten = ca. 6-8 Buchseiten.

 

> Margil:

Nicht zu vergessen die Tage als Lesereisende. Sie gehören zu meinem Berufsalltags als Kinderbuchautorin ganz selbstverständlich zu meiner Lebensreise. Jede Fahrt und jede der vielen Hotelnächte jedes Jahr. Dann spitzen sich alle Vorbereitungen, also Emails, Absprachen, Kofferpacken, Buchauswahl, die Anreise wieder auf den einen Moment zu, der Anlass für die Reise ist: der Beginn der Lesungs-Veranstaltung. Es mag pathetisch klingen, aber: Erwischt mich auf dem Weg von Leseort zu Leseort ein Motivationstief, dann bringt mich das Wissen um die erwartungsvollen Kinder oft wieder in höhere Stimmungslagen und ich reise, ausgenommen in der aktuellen Gefährdungssituation, gern weiter.